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11 februarie – Allgemeine Deutsche Zeitung – Einmal Ausland – und zurück
Die Liga Rumänischer Studenten im Ausland will dem Brain Drain ein Ende setzen
5000 Mitglieder, 150 Freiwillige, 21 Filialen, fünf Abteilungen – so könnte die Liga Rumänischer Studenten im Ausland (LSRS) in die Statistik eingehen und selbst dies wäre schon eine beeindruckende Beschreibung. Doch die im Januar 2009 gegründete Nichtregierungsorganistion (NGO) begnügt sich nicht mit Zahlen, sondern fühlt sich einem doppelten Ziel verpflichtet: zum einen, junge Rumänen zu einem Auslandsaufenthalt während des Studiums zu ermutigen, zum anderen, diese danach zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen.
Irina Scarlat hat im Alter von knapp 23 Jahren ganz klare Vorstellungen, wie ihr Leben weiterlaufen soll: sie will in Rumänien bleiben, eine akademische Karriere machen und parallel dazu eine eigene Firma gründen. Der LSRS, wo Irina als Vizepräsidentin für Information und Kommunikation fungiert, kommt diese Entschlossenheit zugute. Sie glaubt fest daran, dass Rumänien neue Mentalitätsimpulse nötig hat. „Wir sind nicht an ein auf Leistung basierendes System gewöhnt”, stellt die Absolventin der Bukarester Wirtschaftsakademie fest, die auch an der Norwegian School of Management studiert hat und nun ihre Masterarbeit vorbereitet.
Dies zu ändern versteht sie auch als Aufgabe der LSRS: „Wir wollen junge Rumänen ermutigen, ins Ausland zu gehen. Dann kehren sie mit einer anderen Perspektive zurück”, meint Irina. Dabei will die Liga zunächst im Ausland die Solidarität zwischen rumänischen Studenten und Absolventen im Ausland fördern, sieht sich aber auch verpflichtet, ihnen die Chance zu ermöglichen, an der Entwicklung Rumäniens ihren Beitrag zu leisten, wofür im Ausland erworbene Kompetenzen von großer Bedeutung sein können. „Wer im Ausland studiert hat, entwickelt eine hohe Anpassungsfähigkeit”, unterstreicht Alina Buteicã, die in der LSRS als Partnerschaftsdirektorin mitwirkt. „Dies hilft auch am künftigen Arbeitsplatz”, fügt sie hinzu. Sorana Serban, stellvertretende Vizepräsidentin, meint ebenfalls, dass die kulturelle Erfahrung im Ausland wertvoll sei: „Man lernt, zu kommunizieren”.
Alina, Absolventin eines gemeinsam von der LMU München, der École de Management Lyon und der Aston Business School in Birmingham (Großbritannien) veranstalteten Master-Studienganges, entschied sich zur Rückkehr nach Rumänien, obwohl sie bereits ein Beschäftigungsangebot bei Nissan erhalten hatte. „Ich fand es interessanter, zurückzukommen”, erklärt sie ihre für einige wohl überraschende Entscheidung. Nun arbeitet sie beim Arbeitgeberverband der Geschäftsfrauen in Bukarest – als Beraterin für EU-Projekte. Wie auch Irina Scarlat glaubt auch Alina fest daran, dass Absolventen ausländischer Hochschulen das Potenzial haben, in Rumänien einen Mentalitätswechsel zu bewirken. Dennoch will die LSRS keine pauschalen Unterschiede zwischen Studenten, die außerhalb des Landes studiert haben, und Absolventen einheimischer Hochschulen machen. „Wir betrachten Absolventen aus dem Ausland kritisch, die in Rumänien einen roten Teppich erwarten”, sagt Irina.
Dabei „ist nicht alles in Rumänien schlecht”, gibt Anda Radu ihre Meinung kund. Anda nimmt in der Liga die Funktion eines Personalmanagers ein und ist zudem die Landeskoordinatorin für Österreich, wo sie zurzeit ein Praktikum bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien macht. „In Rumänien waren die Kommillitonen sehr ehrgeizig”, erklärt Anda einen Vorteil des hiesigen Hochschulsystems. Auch sie will irgendwann nach Rumänien zurückkehren, behält sich aber alle Optionen offen. Zunächst will sie ihr Studium nach dem Ende des Praktikums in Wien fortsetzen. Österreich ist eines von 21 Ländern der Welt, wo die LSRS über Filialen verfügt. Darüber hinaus sind einzelne Mitglieder auf fast allen Kontinenten zerstreut – sogar in China, Australien oder Chile gibt es rumänische Studierende, die der Liga angehören.
Andas Tätigkeit als Landeskoordinatorin in Wien bringt auch eine gewisse Ernüchterung hinsichtlich der Rückkehrbereitschaft rumänischer Studenten im Ausland. „Ich kenne einige wenige Personen, die zurückkehren wollen”, erzählt sie. Gleichzeitig betont sie, dass es „für das Land” wichtig ist, dass junge Rumänen diesen Schritt wagen. Bei allem Idealismus der LSRS bleibt die Erkenntnis, dass die Perspektiven von Absolventen in der Heimat nicht immer rosig sind. Irina Scarlat gibt in diesem Zusammenhang zu: in einigen Bereichen, so etwa in der Molekularbiologie, seien die beruflichen Entfaltungschancen in Rumänien noch nicht gegeben.
Für die Zukunft hat die LSRS noch ehrgeizige Pläne. Einer davon ist die Gründung eines Think Tanks. CAESAR (Zentrum für den Zugang zur Expertise Rumänischer Studenten und Absolventen) soll im Sommer entstehen und sich aktuellen Problemen Rumäniens widmen. Dabei wird das Zentrum nicht nur dazu öffentlich Stellung nehmen, sondern auch Gesetzesinitiativen vorlegen.
Dies hängt damit zusammen, dass, wie Irina Scarlat betont, die LSRS die wissenschaftliche Tätigkeit von Studierenden fördern möchte. Dem Zentrum werden wohl die Kontakte zu den politischen Eliten Rumäniens zugute kommen. An den Veranstaltungen der Liga, etwa an der Gala der LSRS, die bereits zweimal stattgefunden hat, nahmen bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens teil, etwa Senatspräsident Mircea Geoana oder Außenminister Teodor Baconschi.
Ob rumänische Absolventen europäischer und nordamerikanischer Hochschulen tatsächlich in großen Zahlen zurückkehren werden, bleibt zurzeit ungewiss. Das Team der LSRS beweist jedoch, dass auch in der Heimat Erfolgsgeschichten möglich sind.
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